Wie funktioniert unser Gehör?
Die Wahrnehmung rhythmischer Druckwellen in Luft oder Wasser über ein Gehör ist in der Evolution nur bei relativ wenigen Spezies entstanden.

Das dafür ausgebildete menschliche Ohr ist ein hoch entwickeltes, faszinierendes Organ. Mit dem Gehör nimmt man nicht nur Geräusche wahr, sondern auch der Gleichgewichtssinn ist hier verortet und ermöglicht eine Orientierung im Raum. Der Weg von einem akustischen Reiz aus der Außenwelt bis zur Wahrnehmung eines Geräusches ist dabei lang und komplex. Am Anfang steht eine Schallwelle, die ihren Weg vom Außenohr über das Mittelohr in das Innenohr beginnt. Auf ihrem Weg trifft sie auf das Trommelfell, das zu vibrieren beginnt und im Mittelohr Hammer, Amboss und Steigbügel in Bewegung setzt. Die Schwingungen werden durch das sogenannte Ovale Fenster durch eine Flüssigkeit zur Schnecke geleitet und stimulieren dort Tausende Haarzellen, durch die wiederum die Schwingungen in elektrische Impulse umgesetzt und vom Gehirn als Geräusch wahrgenommen werden. Und damit nicht genug: Weitere Bestandteile des Gehirns sind Umschalt- und Verarbeitungsstationen im zentralen Nervensystem, d. h. Areale im Hirnstamm und Zwischenhirn bis hinauf zur auditiven Hirnrinde.

Außenohr

Das Außenohr umfasst im Wesentlichen den von außen sichtbaren Teil des menschlichen Gehörs: Ohrknorpel und Ohrläppchen, die Ohrmuschel, den Gehörgang und das Trommelfell.

  • Die Ohrmuschel wirkt als eine Art Trichter, die den Schall aufnimmt und ins Innere weiterleitet. Gleichzeitig dient die Ohrmuschel dazu, die Druckverhältnisse im äußeren und inneren Ohr auszugleichen, damit die Schallwellen optimal in das Ohr eindringen können.
  • Die Aufgabe des Gehörgangs besteht darin, den Schall weiterzuleiten, bis er auf das Trommelfell trifft. Dabei wirkt er wie ein natürliches Hörgerät, durch das weniger präsente Frequenzen der menschlichen Stimme verstärkt werden.
  • Die 8-10 mm dünne Membran am Ende des Gehörgangs wird als Trommelfell bezeichnet. Hier endet das Außenohr und das Mittelohr beginnt. Durch den Druck der Schallwellen vibriert das durch kleine Muskeln gespannte Trommelfell. Entsprechend empfindlich ist es und wird durch den Organismus unter anderem durch das Ohrenschmalz geschützt, das verhindert, dass kleine Tiere und Schmutz in das Ohr eindringen.

 

 

Subjektive und objektive Verfahren

Grundsätzlich sind zwei Arten von Hörtests möglich: subjektive, bei denen die Mitwirkung des Patienten erforderlich ist (Stimmgabelprüfungen zur Feststellung einer Schalleitungsschwerhörigkeit und deren Ausmaß, Sprachabstandsprüfungen, Geräusch- und Sprachaudiometrie), und objektive, die das Gehör ohne dessen Mithilfe messen - Impedanzmessungen, Messung der otoakustischen Emissionen und die Elektrische Reaktionsaudiometrie. Letztere richten sich vor allem an Menschen, die nicht aktiv an einem Testverfahren teilnehmen können bzw. sich keine verwertbaren Ergebnisse erzielen lassen. Bekannter sind jedoch die subjektiven Verfahren - insbesondere folgenden begegnet man bei einem Hörtest häufig.

Mittelohr

Das Mittelohr ist die Verbindung zwischen dem Trommelfell des Außenohrs und dem Ovalen Fenster, das den Eingang zum Innenohr darstellt. Zum Mittelohr gehören die drei Knochen Hammer, Amboss und Steigbügel, die Gehörknöchelchen, Ovales und Rundes Fenster sowie die Ohrtrompete.

  • Hammer, Amboss und Steigbügel leiten die Schwingungen des Trommelfells an das Innenohr weiter.
  • Ovales Fenster: Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Membran, die den Eingang zur Innenohrschnecke abdeckt. Bei der Übertragung der Schallwellen vom Trommelfell zum Ovalen Fenster fungiert das Mittelohr als akustischer Transformator, der die Schallwellen etwa um das 20-fache verstärkt.
  • Das Runde Fenster vibriert entgegengesetzt zum Vibrationsvorgang, der beim Eintreten der Geräusche in das Ohr stattfindet, wodurch sich die im Ohr vorhandenen Flüssigkeiten bewegen können.
  • Die Ohrtrompete verbindet das Ohr mit dem Gaumen, wodurch bei jedem Schlucken ein Druckausgleich ermöglicht wird. Staut sich Druck im Ohr auf und ist der Druck an der Innen- und Außenseite des Trommelfells nicht identisch, verhindert dies die korrekte Vibration des Trommelfells. Das Hörvermögen ist damit eingeschränkt, unter Umständen treten Schmerzen auf. Bekannt sein dürften Probleme beim Druckausgleich z. B. vom Fliegen oder dem Tauchen.

Innenohr

Im Innenohr sitzen Hörnerv und Gleichgewichtssinn. Das Innenohr besteht aus Verästelungen von Röhren und Verbindungskanälen, dem Labyrinth. Hier sitzen die Innenohrschnecke und der Vestibularapparat, d. h. der Gleichgewichtssinn.

  • Die Innenohrschnecke wandelt Schallwellen in elektrische Impulse um, die ins Gehirn gelangen - wo sie letztlich zu Klängen umgewandelt werden. Die Schnecke hat zwei Membrane und ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, die von einer Seite der Trennwand zur anderen fließt und 24.000 Härchen in Bewegung setzt.
  • Der Hörnerv ist ein Nervenstrang, der Informationen vom Innenohr an das Gehirn weiterleitet. Dazu sind die Härchen mit dem Hörnerv verbunden, wo sie in elektrische Impulse umgewandelt werden.
  • Der Vestibularapparat sorgt für unser Gleichgewicht. Das erfolgt über drei ringförmige Kanäle, die mit einer Flüssigkeit gefüllt in verschiedene Ebenen ausgerichtet sind. Auch hier senden kleine Härchen Impulse an das Gehirn, um das Gleichgewicht zu wahren.

Gefahren für das menschliche Gehör

Das Ohr ist ein empfindliches Organ. Entsprechend vielfältig sind die Gefahren der Beeinträchtigung des Hörens. Mögliche Ursachen können sein:

  • durch Bakterien oder Pilze hervorgerufene Ohrenentzündungen,
  • Ohrmuschelfehlbildungen,
  • Mittelohrentzündungen,
  • Lärmbelastung und Knalltraumata, die zu Erkrankungen des Innenohres und Schäden an den Haarzellen und zur Schwerhörigkeit führen.