Gleitsicht: 5 Tipps vom Optiker

Viele Menschen jenseits der 40 kennen das Problem: Der Arm ist irgendwann zu kurz, um die Zeitung oder Nachrichten auf dem Smartphone zu lesen. Das Lesen in normaler Distanz fällt mit zunehmendem Alter immer schwerer, die Augen verlieren an Elastizität. Spätestens wenn auch der mittlere und ferne Sehbereich von der Alterssichtigkeit betroffen sind, wird es Zeit für eine Gleitsichtbrille. Richtig angepasst steigern Gleitsichtgläser die Lebensqualität des Trägers um ein Vielfaches: Sehen von Nah bis Fern - und das mit einer einzigen Brille. Wer einmal die Vorteile dieses omnipotenten Allrounders zu schätzen gelernt hat, möchte auf Gleitsichtgläser nicht mehr verzichten. Doch bevor es soweit ist, bedarf es einer kleinen Eingewöhnungszeit, bis das Auge mit dem ungewohnten Sehgefühl zurechtkommt. Wir haben einige Tipps für diesen Zeitraum zusammengestellt.

Auf die Beratung kommt es an

Jeder Mensch nimmt die Welt auf seine eigene Art und Weise wahr - und hat so auch einzigartige Sehgewohnheiten. Damit die Brille später perfekt auf diese abgestimmt ist, sollte ein professioneller Augenoptiker eine präzise Augenglasbestimmung vornehmen und Nah- und Fernbereich sowie die richtige Glasstärke bestimmen. Vorsicht geboten ist dabei bei Dumpingpreisen: Durch die aufwendige Produktion der Gläser - ein Glas besteht aus drei, nahtlos ineinander laufende Sehzonen - sind Gleitsichtgläser um einiges teurer als herkömmliche Einstärkengläser. Dafür bedarf es keiner Zweit- und Drittbrille für verschiedene Alltagssituationen. Entsprechend groß sind die Preis-, aber auch die Qualitätsunterschiede. Bei günstigen Brillen ist der gut abbildende Bereich klein, die Unschärfen an den Rändern groß. Mit Pech sind die Gläser in Asien hergestellt und entsprechen nicht immer dem hiesigen Standard.

Geduld ist gefragt

Beim ersten Tragen muss sich das Auge erst an die unterschiedlichen Sichtbereiche gewöhnen. In der ersten Zeit - bei manchen einige Stunden, bei anderen mehrere Tage - sind leichte Unschärfen im Randbereich der Gläser normal. Das legt sich jedoch in der Regel dank eines sehr anpassungsfähigen menschlichen Auges schnell - und sogar noch schneller, wenn man die die Brille in den ersten Wochen möglichst häufig trägt. Zudem gilt: Früh übt sich. Je geringer die Unterschiede zwischen Nah- und Fernbereich sind, desto einfacher ist die Eingewöhnung an die unterschiedlichen Sehbereiche. Wer also zur Gleitsichtbrille greift, bevor es gar nicht mehr anders geht, erlebt schneller das Glücksgefühl des optimalen Durchblicks. Treten nach einigen Tagen noch immer Kopfschmerzen und Schwindel auf, sollte man sich nicht scheuen, einen Optiker aufzusuchen und die Gläser erneut zu justieren.

Kopf- statt Augenbewegungen

Die Brille sitzt starr vor dem Auge und ist in unterschiedliche Sehbereiche eingeteilt. Bewegen sich also die Pupillen nach unten, schauen Sie durch den Nahbereich zum Lesen. Beim Treppensteigen eher hinderlich. Um Unschärfen beim Blick nach unten zu vermeiden, senken Sie beim Treppenlaufen den Kopf, um gerade durch Mittel- und Fernbereich der Brille zu schauen. Anders beim Lesen: Hier senken Sie lediglich den Blick, nicht den ganzen Kopf. Beim Blick nach Links und Rechts - zum Beispiel beim Schulterblick im Auto - ist wiederum eine Kopfdrehung gefragt. So vermeiden Sie die unscharfen Randbereiche. Klingt kompliziert, doch stellt sich der Automatismus zur optimalen Kopf- oder Augenbewegung schon nach kürzester Zeit ein.

Eine Brille für die persönlichen Bedürfnisse

Es gibt nicht nur „die eine“ Gleitsichtbrille. Verschiedene Aufteilungen der Sehfelder begünstigen den Einsatz spezieller Brillen in unterschiedlichen Bereichen. So eignen sich Panorama-Gleitsichtgläser durch den vergrößerten Fernbereich besonders gut für Autofahrer. Spezielle Arbeitsplatzbrillen betonen hingegen die mittleren Distanzen - perfekt für den Blick auf den Bildschirm und die gegenüber sitzende Person. Sie halten sich häufig im freien auf und gelten dabei als Intensiv-Smartphonenutzer? Dann ist möglicherweise eine Variante mit ausgeprägtem Nah- und Fernbereich ihre Lösung.

Eventuell ist eine Zweitbrille ratsam

Auch wenn die Gleitsichtbrille ein echter Allrounder ist: Bei manchen Tätigkeiten und Berufen empfiehlt sich die Anschaffung einer zusätzlichen Brille, z. B. für den Nahbereich. Sinnvoll ist das unter anerem bei häufiger Arbeit am Bildschirm, da der mittlere Sehbereich bei vielen Modellen nur wenig ausgeprägt ist. Eine Bildschirmbrille kann in diesem Fall einen geeignete Alternative zu einer extra flachen und niedrigen Bildschirmpositionierung sein.